Essai Thread: Zu allen möglichen Themen
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Re: Essai Thread: Zu allen möglichen Themen
von 1Alexander am 03.04.2015 23:39@Hannes
schön, dass du hier das schreibtst. Das war gerade ein Thema für mich, in einem noch wichtigerem Thema.
Um die Allgemeinheit nicht im Dunkeln zu lassen. Ich habe herausgefunden, was Magie, Mythen und Märchen sind.
Das Universum ist so komplex, dass sich gewisse Dinge einfach aus Gründen der Zeit, des Umfanges, der Verständlichkeit nicht darstellen lasse, aber doch sind sie da. Aus emphirischen Erfahrungen heraus, haben unsere Vorfahren Muster erkannt, welche ja widerum nicht hinreichend mit nackten Worten weitergeben lassen. Mit Mythen, Märchen, Lieder, Gedichten schon.
Ostern gehört auch dazu.
Norman
Gelöschter Benutzer
Re: Essai Thread: Zu allen möglichen Themen
von Norman am 03.04.2015 22:20Essai – Ostern und seine Wurzeln
Nach elf Jahren Krieg hatte Kaiser Konstantin der Große das römische Reich wieder vereint, noch war die Reichskrise nicht überwunden. Da er um die Macht des Glaubens wusste, wollte er das Reich nicht nur politisch festigen, sondern auch religiös. Ein Reich, ein Gott. Noch gab es viele Götter im römischen Reich, doch der Monotheismus war auf dem Vormarsch. Bei der Expansion des römischen Reiches, wurde nicht nur verschieden Ländereien einverleibt, sonder auch die verschiedensten Kulte. Aus ihnen bildeten sich neue Sitten und Bräuche heraus. Schon etwa 50 Jahre zuvor hatte Kaiser Aurelian das Weihnachtsfest zum Staatfeiertag erklärt. Noch feierte man zu Weihnachten die Geburt des Sol Invictus (unbesiegbarer Sonnengott, auf antiken Abbildungen erkennt man diesen an seiner Dornenkrone, welche die Sonnenstrahlen symbolisiert.) Neben Sol waren in jenen Tagen noch andere Sonnengötter bei den Römern beliebt, darunter Mithras, Helios und Apoll. Da jedoch nur eine Sonne am Himmel strahlt, gab es zwischen den verschiedenen Kulten Auseinandersetzungen, sie stritten sich über die Frage, wer denn nun der wahre „Sonnen"-Gott sei.
Konstantin musste handeln, damit sein Reich nicht wieder unter den verschiedenen Religionen zerbrach. Im März des Jahres 1078 (römischer Kalender) berief er ein Konzil in Nicäa ein, bei welchem er die römischen Bischöfe vorlud. Dort einigte man sich auf ein gemeinsames Glaubensbekenntnis, aus dem später die Katholische Kirche hervorging. Auf diesem Konzil wurden auch die Richtlinien festgelegt, nach welchen wir heute noch Ostern feiern. Aus aktuellem Anlass befasse ich mich heute mit den historischen Hintergründen zu Ostern. (Anmerkung: Das Konzil von Nicäa fand nach christlichem Kalender im Jahr 325 Jahr statt, jedoch beginnt die christliche Zeitrechnung erst mit dem Jahr 525, in diesem Jahr veröffentlichte ein Mönch namens Dionysius Exiguus seine These, nach der Jesus Christus vor 525 Jahren geboren sei.)
Es scheint offensichtlich, dass das Osterfest seinen Ursprung in der Feier zum Frühlingsanfang findet. Damit ist es wahrscheinlich noch älter als das Weihnachtsfest, welches schon von den alten Ägyptern und Babyloniern gefeiert wurde. Womöglich haben bereits die Neandertaler den Frühlingsbeginn verehrt. Aufgrund der Komplexität des Themas, beziehe ich vordergründig die griechische und römische Mythologie, und lasse den Mithras- und Isis-Kult außen vor.
Die Jahreszeiten in der griechischen Mythologie
Eine der tragischsten Geschichten um den Frühlingsbeginn in der antiken Mythologie, dürfte jene von Demeter (röm. Ceres) und ihrer Tochter sein, den beiden griechischen Fruchtbarkeitsgöttinnen. Demeter war die Schwester des Zeus, und zeugte mit dem Göttervater eine Tochter Namens Kore (Kore ist die Mutter von Zagreus, auf diesen komme ich gleich zurück). Doch auch Hades der Gott der Unterwelt hatte Augen für die schöne Kore, und verschleppte sie in sein Reich, und nahm sie ungefragt zur Frau, aus Kore wurde Persephone. In der Legende heißt es, dass Demeter über den Verlust ihrer Tochter sehr verzweifelt war, und in eine tiefe Trauer verfiel. Und wenn die Fruchtbarkeitsgötting trauert, dann veröden die Felder, verlieren die Bäume ihre Blätter und die Tage werden immer kürzer und kälter. Die Welt drohte in ewige Finsternis zu stürzen, da griff Zeus persönlich in das Geschehen ein, und traf eine Vereinbarung mit Hades, nach welcher Persephone im Winter bei ihm in der Unterwelt verblieb, und den Sommer auf den Olymp bei ihrer Mutter verbrachte. So erklärten sich die Griechen die Jahreszeiten. Wenn Persephone aus der Unterwelt emporsteigt, beginnt der Frühling, und wenn sie im Herbst wie hinabsteigt, trauert Demeter Jahr für Jahr aufs Neue.
Die Feierlichkeiten um die trauernde Demeter und ihrer Tochter werden auch als die Mysterien von Eleusis bezeichnet und fanden zweimal im Jahr statt, im Herbst und im Frühjahr. Sie gehörten mit zum Staatskult der Athener. Man vermutet, dass der Kult schon im Mykenischen Zeitalter vor etwa 3500 Jahren existierte. Der erste römische Kaiser Augustus wurde in die eleusischen Mysterien eingeweiht und Kaiser Claudius wollte den Kult sogar nach Rom verlegen. Der letzte römische Kaiser, welcher diesem Kult nachging war Julian Apostata. Als ein paar Jahrzehnte später unter Kaiser Theodosius I. die katholische Kirche an die Macht kam, wurde der Kult per Dekret verboten. Als schließlich der Tempel von Eleusis von den Goten zerstört, geriet der Kult in Vergessenheit.
Dionysos – Tod und Auferstehung
Dionysos ist eine der mysteriösesten Figuren in der antiken Göttergeschichte. Er ist der Gott der Ekstase, kann Wasser zu Wein verwandeln und wird auch der Zweimalgeborene genannt. Schon seine dramatische Geburt sucht antiken Mythologie seine gleichen. Es gibt verschiedene Varianten, daher hier nur die Kurzform der bekanntesten Legende:
Zeus hatte mit seiner Schwester eine Tochter gezeugt, welche inzwischen zu einer wunder schönen Frau herangewachsen war, Kore. Und noch bevor Hades sie in sein Reich entführte, befruchtete sie Zeus in der Gestalt einer Schlange. Bereits während Kores Schwangerschaft konnte Zeus sehen, was für eine Leibesfrucht sie in sich trägt, und wusste das es ein Knabe sein wird. Noch bevor Kore dieses Kind zur Welt brachte, hatte Zeus ihm einen Namen gegeben, Zagreus. Zeus verkündete: „Diese Kore wird einen Knaben zur Welt bringen, und er wird sein mein eingeborener Sohn. Er wird eines Tages mein Erbe antreten und alle meine Macht werde ich auf diesen Sohn übertragen."
Hera die Gattin von Zeus tobte vor Eifersucht, es war nicht der erste Seitensprung von Zeus (und sollte auch nicht der letzte sein), jedoch, dass Zeus dieses Kind zum Erben machte, konnte sie nicht akzeptieren. In der Mythologie ist Zagreus das reinste gutmütigste Wesen was man sich nur vorstellen kann. Aus Angst vor der Rache der Hera, welche sich inzwischen mit den Titanen verbündete, versteckte man Zagreus in einer Höhle. Zagreus war noch ein Säugling als die Titanen die Höhle entdeckten. Da sie nicht in das Innere der Höhle konnten, lockten sie Zagreus mit einer List aus der Höhle heraus. Zu spät erkannte Zagreus die Gefahr die von den Titanen ausging, welche sich auf ihn stürzten und ihn fraßen. Pallas Athene eilte Zagreus zur Hilfe, und verbrannte die Titanen zu Asche. Doch konnte sie nur noch das Herz den Zagreus retten. Dieses Herz bewahrte Zeus fortan unter seiner Achselhöhle auf. (Kling vielleicht seltsam, wenn nichts sogar etwas blöd, wurde aber so überliefert.)
Etliche Affären später verliebte sich Zeus in die Tochter des Königs von Theben, Semele. Zeus pflanzte das Herz des Zagreus in den Leib seiner Geliebten. Die eifersüchtige Hera brachte Semele mit einer List dazu ihren Geliebten mehrere Versprechen abzuringen, ohne den Inhalt zuvor zu offenbaren. Zeus der sich nur in Menschengestalt Semele zeigte, willigte ein. Ihr letzter Wunsch war, dass sich Zeus in all seiner Herrlichkeit ihr offenbarte. Der Göttervater war in einer Zwickmühle, zum einen musste er sein Versprechen halten, auf der anderen Seite wusste er, dass kein Mensch den Anblick eines Gottes ertragen könnte. Heras List ging auf, denn als sich Zeus in seiner ganzen Herrlichkeit zeigte verbrannte Semele auf der Stelle. Zeus konnte nur noch das Herz des Zagreus aus dem brennten Leib seiner Geliebten retten. Daraufhin schnitt sich Zeus seinen Oberschenkel auf, und in die Wunde legte er den Embryo, woraus ein neuer Gott geboren wird, Dionysos, der zweimal geborene.
Die Legenden und Mythen rund um Dionysos sind reichhaltig und variieren je nach Region, so dass sie ganze Bücher füllen könnten, was sie wohl auch einstmals taten. Der Dionysoskult stammt ebenfalls (wie die eleusischen Mysterien) bereits aus der mykenischen Kultur, und beeinflusste auch die Religion der Thraker und Phryger. Während der athenischen Polis fanden die Feste zu Ehren Dionysos im März/April statt, und wurden als Dionysien bezeichnet. Verschiedene Varianten der Dionysien gab es in der gesamten griechischen Kultur.
Die Römer übernahmen die Dionysoskult, bzw. entstanden im römischen Reich verschiedene Kulte um Dionysos. So verschmolz schmolzen Dionysos und Fulfuns/Pacha (einer etruskischen Gottheit) zu einem Gott „Liber Pater". Am 17. März Feierte man in Rom das Liberalia Fest, zu ehren von Liber und Libera. Liber und Libera bildeten zusammen mit Ceres die Aventinische Trias (Dreiheit), dies waren die Götter der Plebejer (des einfachen römischen Volkes). Der Kult soll der Überlieferung um das Jahr 260 des römischen Kalenders (493 vor u. Zeitrechnung) entstanden sein, beruhend auf ein Gelübde des Diktators Postumius Balbus, welches er rebellierenden Plebejern gab, die sich auf dem Aventin niedergelassen hatten. Das Priestertum der Patrizier hatte ihre eigene göttliche Dreiheit, die Kapitolische Trias, welche sich aus den Göttern Jupiter, Juno und Minerva zusammensetzte (gr. Zeus, Hera, Athene). Liber Pater, wurde teilweise nur als Pater (Vater) bezeichnet, daraus leitete sich die gebräuchliche Bezeichnung Bacchus/Bakchos ab. Die Bacchanalien waren Feierlichkeiten, welche jährlich am 16. und 17. März stattfanden, der Überlieferung wurden diese Feste mit wildester Ausgelassenheit zelebriert, und sind etwa seit dem 2. vorchristlichen Jahrhundert Dokumentiert. Die zügellosen Orgien gipfelten im Bacchanalienskandal (186 v.u.Z.), auf dessen Folge 7000 Frauen und Männer hingerichtet wurden (eine ziemlich blutrünstige Osterfeier). Bacchus Beinahmen waren Lysios und Lyaios (lat. Lyaseus, der Löser, Befreier bzw. Erlöser). Während der Renaissance wurde Bacchus zum Sinnbild für Lebensfreude und Genuss und noch heute kann man in Italien den Ausruf „Per Bacco" hören.
Die Kreuzigung
Da die christliche Kreuzigungslegende allen hier bekannt sein dürfte, schreibe ich jetzt nur über das griechische Gegenstück. Anders als im christlichen Glauben, wurde der Mensch in der gr. Mythologie nicht von einem Gott erschaffen, sondern von dem Titanen Prometheus. Prometheus formte den Menschen aus jener Asche, welche von den verbrannten Titanen zurückblieb, die einst Zagreus fraßen. Dieser Umstand ist für die antike Mythologie von besonderen Bedeutungen, da man hieraus das Wesen des Menschen ableitete. Der Mensch setzt sich aus den Resten des guten Zagreus und der schlechten Titanen zusammen, daher sind beide Eigenschaften (gut und böse) im Menschen vorhanden. Der höchste Gott (Zeus), wollte die Menschheit auslöschen, und nahm ihnen das Feuer. Prometheus stahl jedoch einen Funken aus der Schmiede des Hephaistos, und brachte das Feuer/Licht den Menschen wieder. Als Strafe kettete Zeus Prometheus an den Kaukasus (auf antiken Darstellungen in gekreuzigter Form), wo ihn jeden Tag ein Adler die Leber heraus riss. Damit die Quallen ewig andauern, wuchs Prometheus Leber in der Nacht wieder nach. Erst Herakles konnte Jahrhunderte später den leidenden Titanen befreien.
Zeus versuchte die Menschheit noch einmal zu vernichten, in dem er es vierzig Tage und Nächte regnen lies, und die Erde mit der Sintflut überschwemmte. Nur ein älteres Ehepaar sollte die Katastrophe überleben, und alle kenne wohl die eine oder andere Variante über die Arche des Deukalions. (Im Gegensatz zu Noah, hatte Deukalion keine Tiere mit auf seiner Arche.)
Was uns Menschen mit Dionysos/Bacchus vereint ist der Umstand, dass beide zu einen Teil aus dem Überresten des Zagreus entstanden sind. Die Vorstellung, dass der eingeborene Sohn Gottes zu einem Teil auch menschlich war, ist es wohl zu verdanken, dass der Dionysoskult im römischen Reich eine so hohe Beliebtheit fand.
Heidnische Ursprünge
In den meisten europäischen Sprachen leitet sich die Bezeichnung für das Osterfest vom jüdischen Pessach Fest ab, an dessen Vorabend sich der Bibel nach die Kreuzigung Jesu ereignet haben soll (französisch Paques, italienisch Pasqua, schwedisch Paskdagen, niederländisch Pasen). Nur im Deutschen und Englischen spricht man von Ostern/Easter. Das hier eine Beziehung zu der Himmelsrichtung Osten besteht, lässt sich wohl kaum anzweifeln. Im Osten geht die Sonne auf, und im Frühling werden die Tage wieder länger als die Nacht. Das Licht hat die Finsternis besiegt.
Bereits Jacob Grimm ging davon aus, dass sich die Bezeichnung Ostern von Ostara/ Eostrae einer germanischen Frühlingsgötting ableitet. Er bezog sich dabei auf Quellen des englischen Kirchenhistorikers Beda Venerabilis (673-735).
Die Verfasser der neuen Evangelien hatten es versäumt, konkrete Daten zur den Ereignissen niederzuschreiben. So kam es auch nach dem Konzil von Nicäa zu unterschiedlichen Auffassungen, wann Weihnachten und Ostern zu feiern sei. In einigen Teilen von Britannien wurde selbst noch im 7. Jahrhundert zweimal im Jahr Ostern gefeiert (Lieber doppelt, als am falschen Tag). Daher berief König Oswiu im Jahr 664 eine Kirchenversammlung in der Synode von Whitby ein. Vordergründig ging es bei dieser Versammlung um die unterschiedlichen Interpretationen der iroschottischen und römischen Kirchenordnung. Als König Oswiu verkündete, dass er es nicht wage, sich länger gegen Sankt Peter zu stellen, festigte er damit auch die Macht des Papstes.
Der Hase und das Ei
Der Brauch zu Ostern Eier zu färben ist bereits bis in das 13. Jahrhundert belegt, und reicht mit Sicherheit noch weiter in die Geschichte zurück. Die Bezeichnung als „Osterei" taucht erstmals in historischen Werken des 17. Jahrhunderts auf. Um 1680 gibt es Berichte, welche von der Praxis es Eierversteckens erzählen, und 1695 erwähnt Georg Franck von Franckenau ein seinem Text über das Elsass den Osterhasen. Es gibt verschiedene Theorie über den Ursprung des Osterhasen und das Osterei, woher der Brauch tatsächlich kommt bleibt wohl Spekulation. Wahrscheinlich ist Ostern ein heidnischer Kult, wie auch das Osterfeuer, welches schon von den Kelten praktiziert wurde. Die angelsächsische Frühlingsgötting Eostrae und deren germanische Entsprechung Ostara, wurden bereits im Altertum durch einen Hasen und ein Ei symbolisiert.
Frohe Ostern
Re: Essai Thread: Zu allen möglichen Themen
von 1Alexander am 30.03.2015 21:58@Norman
ich lese deine Essais gern und wollte mich nicht an deinem Thema vergreifen. Es war nur ein guter Aufhänger.
Ich wollte anhand des Glühlampenproblems auf einen grundsätzlichen Missstand hinweisen. Meinen Aufruf zur Revolte bitte ich mal als abstrakt anzusehen. Ich erlaube mir, meine Aussage noch mal zu verdeutlichen. Ich habe heute ein Foto angefertigt, welche das Problem verdeutlichen sollen:
C&A macht gerade ein Werbekampange. Links oben steht 12 Euro und der Slogan: 100% aus nachhaltigerer Viskose.
Diese Werbung zeigt das Ausmaß des Problems. Es wäre ja noch akzeptabel wenn irgendwelche bekoksten, restlos verkommenen Werbezyniker das fabriziert hätte. Tatsächlich dürfen hier normale Leute bloß ihr Brot verdient habe, welche die Dinge durchaus ähnlich kritisch sehen. Das ganze Plakat ist eine einzige Lüge. Zunächst das glückliche Ethno-Mädchen, welche ein Kleid mit Afrikamotiven trägt. Sie trägt eine Kiste mit Grünplanzen, im Grünen und alles ist natürlich nachhaltig. Die Viskose ist natürlich nachhaltigerer und natürlich 100%. Das ganze ist so schön, dass wir für den Moment vergessen, dass dieses Kleid für nur 12,00 Euro in irgendwelchen Sklavenfabriken hergestellt wird, welche zwar nicht ganz so nachhaltig, glücklich und grün sind, dafür aber sicher ethno. Was für eine Verkommenheit.
Wie will man so eine Fehlentwicklung korrigieren? Mit Produkten für 13 Euro, welche noch nachhaltnachhaltigerer sind? Ich unterstelle ja durchaus, dass C&A sich um Nachhaltigkeit bemüht, aber alle sind irgendwie in diesem System verfangen.
Hier hilft nur noch ein Bildersturm, anders ist das nicht mehr zu kitten. Hier kann nur noch grundsätzlich aufgeräumt werden, wenn sowas niemand mehr ertragen kann und alle Tempel geschleift werden. Inwieweit so etwas ziviliert abläuft, bleibt uns überlassen.
Norman
Gelöschter Benutzer
Re: Essai Thread: Zu allen möglichen Themen
von Norman am 30.03.2015 18:45Hallo Alexander,
mit dem was du schreibst stimme ich vollkommen überein. Ich bin nicht auf die gesamte Problematik eingegangen, da ich das Essai kurz halten wollte, um andere Menschen schonend auf die Problematik aufmerksam zu machen (Das Essai wurde nicht nur hier veröffentlicht.). Daher habe ich mich vorsichtig heran getastet, und nur auf ein Beispiel von vielen bezogen. Wäre der Text zu lang, weiß ich aus Erfahrung, dass ihn viele gar nicht zu Ende lesen würden.
Re: Essai Thread: Zu allen möglichen Themen
von 1Alexander am 30.03.2015 08:57@Norman
Es ist ja nicht nur der Müll. Bei der Produktion werden Unmassen von giftigen Stoffe in der Umwelt entlassen. Das ganze wird sich bis zur Unerträglichkeit zuspitzen. Genau das, ist das kapitalistische System. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ein System, welches sich wissenschaftlichsideologisch mit Evolution rechtfertigt, zwar anpassungsfähig ist, aber zu einer Evolution offenkundig nicht taugt. Dieser Widerspruch wird innerhalb des Idelogiegebäudes gar nicht erkannt.
Dahinter steckt ebenso ein quasireligöses Systetem mit Absolutheitsanspruch. Was sich aus Prinzip für perfekt erklärt, ist über eine Weiterentwicklung erhaben und kann seine Widerspruch gar nicht erkennen
Ich fürchte eine Änderung ist nur durch eruptive Ereignisse möglich. Es gibt keinen anderen Ausweg. Das Alte wird zerschlagen, damit Neues entstehen kann, ehe es zu spät ist. Im besten Fall werden nur Ströme von Blut fließen.
Das Beispiel mit den Glühlampen entlarvt die Lebenslüge des Kapitalismus: die Marktwirtschaft. Es gibt eben nicht die freie Konkurrenz, bei der sich das Bessere durchsetzt, sondern nur die Fiktion davon.
Das schändliche Prinzip ist im Namen enthalten. Kapital steht am Anfang, erst dann werden Märkte beansprucht.
Ja hier wird kein Gott angebetet, aber ein goldnes Kalb, um den der Wahnsinn tanzt.
Noch mehr Gebote: Zinsen müssen erhoben, Schulden zurückgezahlt und Verträge eingehalten werden.
Eben nicht.
Es gab nie Glühlampenkonkurenz. Die Glühlampenindustrie wurde mit Kapital aus den Boden gestampft und die Märkte verteilt.
Oft werden die Märkte sogar vorher künstlich erzeugt. Wer brauchte je ein Smartphone? Ja wer braucht je eine Glühlampe? Vor Edison niemand. Und ja, Edison wollte keine Verbesserungen, sondern nur Geld machen.
Es ist ein Wahnsinn, welcher sich selbst antreibt. Im Kapitaleinsatz steckt die Absicht, andere bedingungslos für sich arbeiten zu lassen. Es ist Wahnsinn zu glauben, dass das auf ewig funktioniert. Es ist die Umwelt, welche entscheidet wie lange das System maximal stabil bleiben kann. Nicht die Anzahl der Polizeiknüppel oder die Menge der zu verteiltenden Almosen, welche zuvor abgepreßt wurden.
Obsoleszenz, so rational man sie auch begründen kann, hat doch die Wurzel im böse Prinzip, auf dem Herrschaft erbaut ist. Es ist das moderne Äquivalent zu Stalins Kanalbauten, der Sklaverei oder Stuttgard21. Menschen müssen in Anhängigkeit gehalten werden. Arbeitskraft muß seit 200 Jahren sinnlos verschlissen werden, damit die Menschen nicht erkennen, dass diese Leistungen gar nicht notwendig sind. Glühlampen, welche ewig brennen, erübrigen Glühlampenfabriken und bringen somit das Kapital um die ewige Rendite. Es bleibt leider nur die Wahl zwischen Feuer und Schwert.
Norman
Gelöschter Benutzer
Re: Essai Thread: Zu allen möglichen Themen
von Norman am 29.03.2015 21:24Essai - Geplante Obsoleszenz
Wer kennt es nicht, kaum ist die Garantie vorbei und schon gibt das Gerät den Geist auf. Ist es nur ein Zufall? Hat man beim Kauf ein Montagsmodell erwischt?
Zunehmend stelle ich fest, dass gerade neuere Modelle eine immer kürzere Lebensdauer aufweisen. Oft sind es Kleinigkeiten, welche den Defekt verursachen. Aufgrund der Konstruktion ist eine Reparatur unmöglich, bzw. sehr kostspielig. Steckt hinter dem Verschleiß ein System?
1890 wurde in von der Shelby Electrics Company in Ohio eine 60 Watt Glühbirne hergestellt, welche seit 1901 in einer Feuerwache von Livermore hängt, und brennt, und brennt.
Inzwischen schon seit 114 Jahren. Die lange Haltbarkeit der Birnen wurde schnell zu einem Ärgernis für die Industrie; daher beschlossen 1924 die führenden Hersteller von Glühbirnen, die Lebensdauer auf 1000 Stunden zu begrenzen. Dies wurde stichprobenartig überprüft, und Unternehmen, deren Lampen länger brannten, mussten Strafe zahlen. 1942 flog das Phoebus-Kartell auf, und trotz Verbot der Begrenzung, änderte dies nichts an der Eintausend-Stunden-Regel. Inzwischen existieren Patente für Glühbirnen mit einer Betriebsdauer von über 100.000 Stunden, welche nie auf dem Markt kamen.
Ein Produkt, welches nicht verschleißt, schadet der Wirtschaft. Märkte müssen wachsen, und der Konsument soll kaufen, immer und immer wieder. Nichts ist für die Industrie fataler wie ein zufriedener Konsument, welcher glücklich ist mit dem was er hat. Immer mehr soll er haben, nur nie genug. Der Konsument ist zu einem Sklaven seiner eigenen Gier geworden, wie der Esel, welcher der Karotte am Ende der Rute des Kutschers nachläuft. Der Verbraucher jagt einem Trend nach dem anderen hinterher. Am Ende zahlen wir drauf, nicht nur, weil wir uns alle zwei Jahre einen neuen Bildschirm, Computer, Handy, Toaster usw. kaufen müssen, sondern auch, weil wir den Zins für die Umwelt den Kindern und Enkelkindern aufbürden.
Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, und ohne Skrupel werden die Ressourcen der Erde an den Finanzöfen der Börse verbrannt. Schon jetzt wächst uns der Müll über den Kopf. Vielleicht noch nicht vor unserer Haustür, doch nur, weil wir den Gestank nicht vor unserer Nase haben, ist er dennoch da. Im Pazifik treibt inzwischen so viel Abfall, dass man schon vom siebten Kontinent spricht: einer 3,4 Millionen km² großen schwimmenden Mülldeponie. In vielen Ländern der Dritten Welt hausen Kinder auf Müllhalden und leben unter den unwürdigsten Bedingungen von dem was wir täglich entsorgen.
Wenn wir unser Konsumverhalten weiter in dieser Art beibehalten, werden möglicherweise schon unsere Enkelkinder das Schicksal der Müllsucher teilen. Und obwohl sich immer mehr und mehr der Problematik bewusst werden, scheint keine Änderung in Sicht. Trotz alledem wünsche ich euch viel Vergnügen beim nächsten Einkauf; der Schrotthändler wartet schon.
Staubkorn
Gelöschter Benutzer
Re: Essai Thread: Zu allen möglichen Themen
von Staubkorn am 25.03.2015 21:02Könnte man daraus nicht einen Motor Basteln ?
Re: Essai Thread: Zu allen möglichen Themen
von 1Alexander am 22.03.2015 20:14@Norman
Schönes Thema.
Matthaeus 5, 37
Natürlich wird gelogen. Wenn man ehrlich lügt ist das sicherlich kein großes Problem. So sind Menschen nun mal.
Aber das Ausmaß des derzeitigen gesellschaftlichen Lügengebilde, mausert sich zum Großproblem.
Norman
Gelöschter Benutzer
Re: Essai Thread: Zu allen möglichen Themen
von Norman am 22.03.2015 17:05Essai – Über das Lügen
„Du sollst nicht Lügen?", lautet schon eines der 10 Gebote. In allen Kulturen ist das Lügen verpönt, und doch lügt ein jeder von uns regelmäßig. Warum lügen wir überhaupt?
Schon das Weglassen einer Information kann eine Lüge sein, und ein völlig falsches Bild vermitteln. Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, wir lassen immer Informationen bei Erzählungen weg. Zum einen da unsere Erinnerung bereits selektiv gefiltert ist, zum anderen kürzen wir den Inhalt zusammen, da wir kaum in der Lage sind, alle Details zu vermitteln.
In erster Linie versteht man unter einer Lüge jedoch eine Falschaussage. Auch hier sollte man differenzieren. Zum einem nach dem Motiv und zum anderen nach der Ethik. Ein Lügner kann vielerlei Gründe haben; vielleicht will er sich einen Vorteil uns gegenüber verschaffen, will sich in ein besseres Licht rügen oder uns manipulieren. Nicht immer sind die Motive selbstsüchtiger Natur, jemand kann auch aus Scham die Unwahrheit sagen, und manchmal lügt man um die Gefühle des nicht anderen nicht zu verletzten. Denn auch die Wahrheit kann weh tun.
Aus der Sicht der Ethik scheint die Sachlage einfacher, schließlich werden die Gebote des Nicht-Lügens schon seit tausenden Jahren gepredigt. Doch muss ein jeder die Wahrheit ertragen, egal wie sehr sie verletzen mag? Ist es verwerflich jemanden anzulügen, weil man Rücksicht auf seine Gefühle nimmt? Wie steht es um die Lüge, welche gesprochen wird um andere Menschen vor Unrecht zu schützen? (z.B. Wenn jemand politisch Verfolgte im 3. Reich versteckte.) Gibt es nicht mitunter Situationen, wo wir moralisch verpflichtet sind zu lügen?
Eine Frage, welche vielleicht viele beschäftigt lautet: „Woran erkenne ich eine Lüge?" Kaum einer mag es belogen zu werden. Gibt es Zeichen, welche die Lüge verraten? Ja, die gibt es, doch mitunter muss man schon sehr genau hinschauen, bzw. zuhören. Auch kommt es auf die Qualität der Lüge an. Man kann sagen, je banaler die Lüge ist, umso einfach fällt es uns diese zu verbergen.
Besonders schwierig ist es bei Menschen, welche es gewohnt sind zu lügen. So gibt es jene, welche ständig in ihren Erzählungen maßlos übertreiben, doch auch sie verraten sich hin und wieder. Mitunter erkennt man sie an ihren extravaganten Bärten. Kleiner Scherz, natürlich sagt der Bart nichts über den Wahrheitsgehalt einer Aussage aus, sonst wären alle Frauen grundehrliche Menschen.
Wenn wir jemand einer Lüge überführen wollen, so prüfen viele nur die Glaubwürdigkeit seiner Aussage. Oft ist es jedoch die Körpersprach, welche einem verpetzt. Leider gibt es keine universelle Geste, welche uns zeigt, dass ein Mensch gerade lügt. Daher empfehle ich folgende Hinterfragung: Passt die Körpersprache zum Gesagten?
Häufig kann man beobachten, dass jemand etwas bejaht und gleichzeitig mit den Kopfschüttelt. Oder jemand berichtet von einem freudigen Ereignis und ist ganz angespannt. Worauf man alles achten kann, würde jetzt den Rahmen Sprengen. Daher verweise ich auf die beiden Pioniere der Lügenforschung, Paul Ekman und Joe Navarro.
Bis auf wenigen Ausnahmen können nur darauf geschulte Menschen eine Lüge aus der Mimik heraus lesen, denn schon in Kindesalter lernten wir diese immer besser zu kontrollieren. Meist sind es Hände und Füße, welche den Lügner verraten. Das ein Lügner keinen Blickkontakt hält ist nur eine Legende, den Blickkontakt brechen wir ab, wenn wir uns schämen oder unsicher sind. Ein Lügner hält in der Regel den Blickkontakt besonders intensiv, da er jede unserer Reaktionen beobachtet, aus Angst, dass wir ihn durchschaut haben.
Ein kleines Anzeichen für ein Lüge, ist das Fehlen der Augenzugangsbewegungen. Wenn wir eine Erinnerung abrufen, dann ist dies an den Augenbewegungen erkennbar, fehlt diese, dann ist er Text einstudiert.
Norman
Gelöschter Benutzer
Re: Essai Thread: Zu allen möglichen Themen
von Norman am 15.03.2015 19:55Essai – Submodalitäten
Hin- und wieder gibt es wohl im Leben eines jeden Menschen Situationen in denen die Emotionen auf ungezähmte Bahnen empor schwingen. Ob Angst, Frust oder Wut, zu oft bestimmt das emotionale Innenleben unseren Alltag, zu schnell werden wir zu Marionetten der eigenen Gefühlswelt.
Und dennoch müssen wir uns nicht diesem Schicksal ergeben. Es gibt verschiedene Techniken mit denen man seine Emotionen bewusst beeinflussen kann. Eine der effektivsten Methoden, welche ich kenne ist das Arbeiten mit Submodalitäten.
Was sind Submodalitäten? Es ist die Art und Weise wie wir die Welt wahrnehmen, uns an etwas erinnern, oder uns etwas vorstellen. Für gewöhnlich achtet der Mensch auf den Inhalt, und weniger auf die Präsentation seiner Gedanken.
Unser Körper verarbeitet jede Sekunde Millionen von Reizen, und nur eine Hand voll von ihnen können wir bewusst wahrnehmen. Leicht erliegen wir dem Glauben, ein jeder erlebt die Welt gleich, der Einzelne jedoch pickt sich nur seine eigenen Rosinen aus der Realität heraus. Dasselbe Erlebnis kann von zwei Menschen völlig unterschiedlich wahrgenommen werden. Unsere Erinnerung ist keine Momentaufnahme der Wirklichkeit, es ist die fiktive Zusammensetzung unserer geistigen Rosinen. Der eine hat eine positive Erinnerung, welche voller Farben ist und der Betrachter befindet sich mitten drin in diesem Bild. Der andere erinnert sich negativ an die gleiche Situation. In seiner Erinnerung ist das Bild kaum mit Farben gefüllt, fast schon schwarz weiß. Er sieht sich in seinen Gedanken aus der dritten Perspektive, wie auf einer Kinoleinwand, welche sehr weit weg ist. Wir können selbst bestimmen, wie wir uns etwas Vorstellen, und dadurch auch, wie wir die Szene emotional verarbeiten.
Visuell: sehen wir ein Bild oder einen Film im Kopf?; ist es hell oder dunkel?; befinden wir uns im Geschehen?; aus welcher Distanz beobachten wir es?; wie sind die Farben?; wie die Proportionen?
Auditiv: sind die Geräusche laut oder leise?; harmonisch oder disharmonisch?; klar oder stumpf? Ist die Musik/ das Sprechtempo schnell oder langsam?
Kinästhetisch: fühlt man sich leicht oder schwer?; stark oder schwach?; ist es warm oder kalt?; Oberflächen können rau oder glatt sein; weich oder hart?; ist es nass oder trocken?
Hier ein kurzes Anwendungsbeispiel für auditive Submodalitäten: Erinnert euch ein eine Situation, in welcher ihr sehr Aufgebracht wart, am besten eine, welche euch immer noch in Wut/Frustration versetzt. Was denkt ihr gerade? Fasst eure Gedanken kurz in Worte.
Wie habt ihr die Worte in euren Geist gesprochen? Für gewöhnlich ist die innere Stimme bei Wut auch wütend. Wenn das Selbstwertgefühl im Keller ist, dann ist der Selbstmonolog alles andere als gutmütig. Doch wenn man an den gleichen Inhalt mit einer freundlichen, sanften Stimme denkt, dann verändert dies gleichzeitig das emotionale Erleben. Probiert ein bisschen herum, und testet es aus.
Das gleiche Prinzip gilt natürlich für alle Sinneskanäle. Negative Erinnerungen welche einem belasten, sollte man am besten disassoziiert betrachten, und die Bilder weit weg vom geistigen Auge schieben. Positive Gedanken sollten farbenfroh aus der Egoperspektive konstruiert werden. Bei der Variationsvielfalt sind der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, wir sind die Schöpfer unserer geistigen Welt.
Doch nicht nur die Gedanken beeinflussen uns, sonder auch all das was uns umgibt. Womit umgibst du dich? Was konsumierst du regelmäßig? Welcher Werte vertreten Mitmenschen?
Wie sieht der morgige Tag in deinen Gedanken aus? Siehst du dich aus der Distanz, oder bist du mitten drin? Ist es ein farbenfroher Tag, oder ist alles grau und trüb? Sind die Worte, welchen den Tag beschreiben traurig und melancholisch, oder fröhlich und besinnlich?


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