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Darius

49, Männlich

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Re: Evolution

von Darius am 10.04.2015 10:01

Ein Hoch auf das wunderbare Wetter!

@Staubkorn:
Du scheinst mir ein eingelfeischter "Abstraktor" zu sein

@all:
Als einer der wenigen nüchternen und echten Naturforscher ist Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Achim Müller mit seiner Grundlagenforschung ein gutes Stück vorangekommen, die Grenzen zwischen der belebten und unbelebten Materie (bäh, ich hasse diese Aufteilung!) zu verwischen. Meine Hochachtung für diesen Mann ist gesichert. Und auch einen Nobelpreis würde ich ihm gönnen. Er ist der lebende Beweis dafür, dass Philosophie und Physik zusammen gehören, dass Intuition förderlich ist und dass Begriffe wie Zufall oder Ästhetik einen wissenschaftlichen Wert haben.

Emeritiert, aber weiterhin forschend, hat er den "Advanced Grant 2012" verdient. So muss Wissenschaft!

Anknüpfend an meine vorigen Ausführungen zur Selbstorganisation und zur Bildung von Attraktoren möchte ich Achim Müller aus seinem Aufsatz "Chemie und Ästhetik - die Formenvielfalt der Natur als Ausdruck ihrer Kreativität" zittieren. Vorher loht sich ein Blick in diese, aus 2013 stammende Meldung: "Wie von Geisterhand - Programmierte Nanopartikel organisieren sich von selbst zu hochkomplexen Nanostrukturen".

Nun zu Achim Müller:

[...] JONAS geht der Frage nach, ob der sich mit dem Urknall [Anmerkung: Lassen wir das mit dem Urknall einfach so stehen] entwickelnden Materie bereits eine Information oder allein eine Potentialität innewohnte. Für Naturwissenschaftler sollte es eine Herausforderung sein, sich mit diesem zentralen Problem zu beschäftigen und der Frage nach einer Begabung der Materie nachzugehen, die zur Vielfalt der Formen in der belebten, aber auch der unbelebten Natur geführt hat und weiter führt.
[...]
Die Frage nach der Begabung der Materie, die die Formenvielfalt in der belebten und unbelebten Natur hervorbringt, läßt sich im Anschluß an die genannten Aussagen der beiden berühmten Naturwissenschaftler stellen [Anmerkung: gemeint sind Hinshelwood und Feynman]. Chemiker untersuchen in diesem Kontext Veränderungen materieller Systeme, die zur Formenvielfalt führen - mögen sie nun im biologischen Prozeß erfolgen oder im Labor. (Die Qualitäten der elementaren Bestandteile sind die gleichen.) Der ‘Idealfall’ wäre gegeben, wenn sich die top-down-Methode im Sinne HINSHELWOODS - d. h. komplexe biologische Phänomene auf Einfaches ‘zurückzuführen’ - und die bottom-up-Methode im Sinne FEYNMANs annähern bzw. überlappen würden. In einem solchen Falle würde dies die Kreation einfachster Zellformen im Labor möglich machen. Natur und Labor sind allerdings nicht deckungsgleich. Der große Naturforscher und Philosoph HELMHOLTZ spricht in diesem Zusammenhang von Notwendigkeiten im Naturprozeß und von den Gestaltungsmöglichkeiten des Forschers. Dieser kann - durch Schaffung bestimmter Bedingungen im Rahmen der Naturgesetze bzw. der existierenden Möglichkeitsfelder materieller Systeme - sogar relativ unwahrscheinliche Möglichkeiten realisieren.
[...]
Die materiellen Ereignisse in der Biosphäre, die zu einer Vielfalt und Prozeßdynamik unter den Randbedingungen der Dissipation (d. h. durch die eines offenen Systems) führen, sind gekennzeichnet durch ihre außerordentliche Spezifität. Hierbei scheint der Gedanke einer Begabung der Materie, die es ermöglichte, daß die Ingredienzien der Urerde den gewaltigen, quasi-explosionsartigen Veränderungsprozeß ‘zu initiieren vermochten’, der dann schließlich zur biologischen Vielfalt führte, von grundlegender Bedeutung für ein weitergehendes ‘Verständnis’ der Materie zu sein. Bei der Genese der biologischen Vielfalt handelte es sich offensichtlich um einen weitgefächerten Prozeß, den wir zwar in den meisten Details nicht kennen, der aber - etwas frei nach HERAKLIT - durch die Dialektik von kontingenten Mutationsabläufen und richtungsgebender Selektion erfolgte und ohne Zweifel durch einen Zeitpfeil gekennzeichnet war. Hierbei spielte der Zufall als auslösender (kreativer) Faktor immer eine zentrale Rolle - auch auf der Urerde, als aus präformierten einfachen Biomolekülen Supramoleküle im Sinne der modernen Supramolekularen Chemie entstanden. Die Begabung der Materie manifestierte sich vor allem in der ‘Optimierung’ der Adaption der Organismen während der Evolution. Diese Optimierung beruht letztendlich auf einer abgestimmten Wechselwirkung der materiellen Subsysteme bzw. der Makromoleküle des Organismus. Der Chemiker, bzw. Biochemiker, versucht, in diesem Zusammenhang nicht nur Details zu verstehen, sondern auch allgemeine Prinzipien zu entdecken. Wenngleich der Organismus in seiner Gesamtheit im Fließgleichgewicht ist und die entsprechenden Basisprozesse letztlich unter dissipativen Bedingungen ablaufen, so gibt es doch Prozesse klassischen Typs in der Nähe des Gleichgewichtes, die zu komplexen Strukturen führen. Hierzu sei als Beispiel der Selbstaggregationsprozeß des Tabak-Mosaik-Virus genannt, der in vivo und in vitro in gleicher Art abläuft. Dies zeigt, daß gerade das Studium von Selbstaggregationsprozessen durch den Chemiker im Labor zum Verständnis der Begabung der Materie beitragen kann. Bei derartigen Prozessen kann Neuartiges entstehen, auch durch eine Art eines (spontanen) Schöpfungsaktes.
[...]
Der Chemiker kann die Begabung bzw. die auf informationalen Strukturen basierende Potentialität der Materie im Labor untersuchen - dies vor allem beim Studium der Vielfalt von Selbstaggregationsprozessen. Hierbei können Bezüge zu Prozessen der Biosphäre hergestellt werden, natürlich auch zu solchen, die zur Bildung ästhetisch schöner Formen führen.
[...]
Beim heutigen Stand der Wissenschaft sind wir noch nicht in der Lage, die Strukturen aller möglichen Produkte vorauszusagen, die bei der Verknüpfung von einfachen Fragmenten in komplexen Reaktionssystemen entstehen können. Bei detaillierter Kenntnis des Systems können jedoch intuitiv Wege zu relativen Zielen beschritten werden, auf denen Neuartiges, zunehmende molekulare Komplexität, aber auch Multifunktionalität der Reaktionsprodukte auftreten können. Potentialitäten - im Sinne von dispositionellen Eigenschaften - werden hierbei vom Chemiker durch Einhalten bestimmter spezieller Rand- bzw. Reaktionsbedingungen gleichsam ‘geweckt’. Erfolge sind dort zu erwarten, wo relative Ziele existieren, wie z. B. auf dem Wege zu immer größeren Molekülen. Dies gilt auch dann, wenn man deren genaue Strukturen nicht voraussagen kann.
[...]
Charakteristisch für materielle (chemische) Systeme des genannten Typs ist, daß eine Palette von Reaktionsprodukten mit extremer Formenvielfalt entstehen kann. Die Möglichkeit (dynamis) hierzu basiert auf den Gegebenheiten des Systems, wobei die Verwirklichung (energeia) - etwa im Sinne der aristotelischen Physik - dann erfolgt, wenn die Gesamtheit aller notwendigen Bedingungen realisiert ist.
[...]
Die Potentialität des materiellen Systems bezieht sich auf etwas grundsätzlich Mögliches. Mit Blick auf ARISTOTELES kann der Stoff (hyle) - den Gesetzen der Chemie bzw. Physik folgend - allerdings nur die Formen (morphe) annehmen, die mit ‘seinen Möglichkeiten’ vereinbar sind.
[...]
Warum bilden sich nun bestimmte stabile Formen und speziell regelmäßige Strukturen, wie z. B. die der schönen hochsymmetrischen sphärischen Viren, die der Meeresschnecken oder die der Fullerene, aber auch die der Superfullerene? Die Erkenntnisse der Physik und Chemie lehren uns, daß zur Beantwortung der Frage topologische (strukturelle), kinetische und energetische Überlegungen angestellt werden müssen, wobei die Argumentation für dissipative und konservative Strukturen unterschiedlich ist. D'ARCY WENTWORTH THOMPSON erklärte seiner Zeit die Entstehung einer biologischen Form aus dem ‘Bestreben’ eines Systems, eine Art (energetisches) Gleichgewicht zu erreichen.
[...]
Formen an Organismen entstehen dagegen durch eine komplizierte Verknüpfung dissipativer und konservativer Prozesse, eine Verknüpfung die NORBERT BISCHOF wie folgt charakterisiert: „[...] beide Arten der Formbildung (sind) nötig, um Homöostase mit Selektion, Zielstrebigkeit mit Zweckmäßigkeit also, auf eine Weise verbinden zu können, die das Ergebnis teleonom beschreibbar macht“. Zur angesprochenen Formenbildung seien zwei Beispiele genannt, nämlich die der alternierenden Muster beim Zebra und die der Schalen von Seetieren, etwa des Nautilus pompilius, die infolge antagonistischer Effekte der Selbstverstärkung durch Nichtlinearität und Inhibierung entstehen. Dabei ist Nichtlinearität Voraussetzung für einen Prozeß, der vom (konservativen) Gleichgewicht wegführt. Die Form biologischer Organismen kann grundsätzlich nur mit Hilfe von (nichtlinearer) Dynamik verstanden werden.
Quelle: PDF Universität Bielefeld


great-cl-3.jpg
Achim Müller´s "Nano-Igel"
Quelle: Website, Bild

Darius mit Grüßen

P. S. Nicht alles ist am Mainstream schlecht. Dagegen ist das ständige Wiederholen, dieser würde nur religiöse Züge aufweisen, Kacke. Ich will keinem was unterstellen und habe mir den folgenden "Spiegel" auch selbst vorgehalten: Vom "Posthunting" ist es zum "Trollen" nicht weit.


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Darius

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Re: Evolution

von Darius am 30.03.2015 08:10

Hallo Staubkorn! Willkommen bei ViaVeto!

Du schreibst:

Nein, es ist nicht deine Meinung [...]
Und was genau ist nicht meine Meinung? Ich verstehe nicht, was Du mir mit Deinem Beitrag sagen möchtest.

Grüße, Darius

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Darius

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Re: Evolution

von Darius am 22.03.2015 18:40

Nebenbei gesagt: Das mit den 10% ist eine Sache der Thermik. Der Mensch nutzt die gesamte Gehirnkapazität, allerdings nicht gleichzeitig, denn ansonsten würden die Eiweiße kochen. Siehe "Zehn-Prozent-Mythos"

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Darius

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Re: Zur Doku "The Lightning-Scarred Planet Mars"

von Darius am 21.03.2015 10:18

@Hannes:
Meisterhaft! Vielen Dank!

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Darius

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Re: Evolution

von Darius am 17.03.2015 21:16

@1Alexander & @all:

Diesen Gedanken will ich noch loswerden: Evolution verläuft meiner Meinung nach nach dem Bottom-up-Prinzip, wogegen wir Menschen sie nur nach dem Top-down-Prinzip verstehen können. Induktion auf Seite des evolutionären Prozesses, Deduktion auf der des Menschen. Mehr ist für uns naturgegeben nicht drin. Biologische Evolution geschieht einfach. Es interessiert sie nicht, was wir als Niederes oder Höheres bewerten.

Das Menschengemachte kann sowohl top-down, wie auch bottom-up erforscht werden (betrifft auch Künstliche Intelligenz). Dagegen ist die ohne menschliche Beteiligung entstandene Natur nur top-down erforschbar (dekompilierbar).

Apropos KI: Ohne eine Neue Physik wird es KI nicht geben: Roger Penrose´s "Schatten des Geistes". Gödel und Turing werden erhellend darin behandelt.

1Alexander schrieb:

[...] in Punkto Datenhaltung bewegen wir uns immer noch auf dem Niveau der 60iger/70iger/80iger Jahre.

So ist es! Es lebe das A20-Gate und möge es endlich sterben!

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Darius

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Re: Evolution

von Darius am 15.03.2015 14:33

Hey allerseits!
1Alexander schrieb in einem anderen Thread:

Die sprunghafte Änderung einer Art, in eine andere überlebensfähige Art dürfte unsere Vorstellungskraft übersteigen.
Vor meinem Küchenfenster erfreut sich eine Gruppe von Amseln an dem von mir gestreuten Futter. Die Männleins sind pechschwarz mit gelbem Schnabel, die Weibleins grau-braun mit dunklem Schnabel. Unter ihnen versucht seit Monaten ein mutiertes Weiblein mit einem orangenen Bauch, den Anschluss an die Gruppe zu finden, wird aber sowohl von Männleins wie auch von Weibleins aggressiv verjagt. Das arme Ding muss immer warten, bis die anderen weg sind, um ans Futter zu kommen. Wird es sich erfolgreich fortpflanzen können? Wird es sein Revier wechseln und sein Glück bei anderen Gruppen suchen? Bestenfalls paart es sich mit einem anderen ausgestoßenem Sonderling, von dem es akzeptiert wird, schlimmstenfalls wird es ohne Nachkommen sterben. Das ist "sprunghafte" Evolution live und durchaus vorstellbar.

Entweder die Änderungsinformation werden von außerhalb "gefunkt" oder das Blaupausenschema sind bereits vorhanden.
Ich denke, dass eine UND-Verknüpfung auch möglich, aber nicht zwingend ist. Es ist wieder die Sache mit der bidirektionalen Rückkopplung zwischen äußeren und inneren Attraktoren.

Mir fällt noch eine verfeinerte Variante ein. Erworbenes Erfahrungen werden nach dem Lamarckismus in der DNA nur gespeichert, ohne das es zu grundsätzlichen Änderungen in der nächsten Generation kommt. Diese Änderung kumulieren sich auf und führen zu einer eruptiven Veränderung, insofern der Impuls dazu kommt.
Es reicht sogar eine einzige erworbene Erfahrung, die zur eruptiven Neugestaltung einer Art (eines Attraktors) führt. Aus Wikipedia passt gut das dazu (ein Link ist weiter unten): "Nichtlineare Systeme, deren Verhalten von einem Parameter abhängt, können bei einer Änderung des Parameters ihr Verhalten plötzlich ändern".

Auch wen sich das alles sehr abstrus anhört, welche vernünftige Erklärung kann man sonst anbieten, wenn man sprunghafte Evolution erwägt.
Das ist nicht abstrus. Genau so läuft Evolution ab.

1Alexander weiter in diesem Thread:
Ein Vorschlag wäre, dass eine Ausdifferenzierung zweckfrei und in sich und auf jeder Stufe perfekt ist, wärend eine Evolution vom Niederen zu Höhreren verläuft.
Eine Ausdifferenzierung ist auf jeden Fall zweckfrei. Dass die oben erwähnte Amsel einen orangenen Bauch hat, ist höchstwahrscheinlich zufällig. Dieser Zufall kann als Indikator zur Entstehung einer neuen Amselart verstanden werden. Perfekte Attraktoren gibt es nicht. Alles unterliegt dem nie aufhörendem, dynamischem Fluss. Mal erreichen dynamische Systeme ein relatives Gleichgewicht von kürzerer oder längerer Dauer, mal lösen sie sich auf, bevor sich ein Gleichgewicht (ein Attraktor) einstellen kann. Auch die erforderliche Dauer bis ein System ins Gleichgewicht kommt, kann stark variieren.

Anders ausgedrückt, Evolution bedarf eines Startpunktes und eine fiktiven Endzustandes.
und Rico:
Denn nach Meiner Auffassung ist diese Grenze nicht definierbar. Da das Gesamtsystem formal endlos scheint.
Der Mensch braucht diese Start- und Endpunkte, um den zu untersuchenden, dynamischen Prozess (be)greifen zu können, in der Natur gibt es sie nicht. Die Qualität der Willkür bei der Wahl dieser Punkte äußert sich im Ausmaß des Schmetterlingseffekts. Anders: Ist in einem eingegrenztem System "Reverse Engineering" möglich, dann können aus solchem System überprüfbare Erkenntnisse gewonnen werden. Genau hier befindet sich der schmale Grat zwischen dem für den Menschen (be)greifbarem Determinismus und dem Chaos.

1Alexander weiter:
Entsteht hier wirklich was Neues, letzendlich Unbegrenztes, oder ergeben sich immer wieder nur höhere oder noch höhere Variationen des selben Keimkorns. Eben wie den Bildern einer kleiner Mandelbrotsoftware.
Die verschiedenen Variationen des selben Keimkorns sind etwas Neues. Fraktal bedeutet nicht, wie oft missverstanden wird, dass ein Attraktor aus kleineren Teilen seiner selbst besteht. Das ist eine vereinfachte und idealisierte Betrachtung. Das Sierpinski-Dreieck ist so ein 100%-ig selbstähnliches Gebilde. Fraktale im weiten Sinn werden jedoch über einen hohen Grad an Selbstähnlichkeit definiert. Zwischen "100%-ig" und "hoher Grad" liegen Welten. Genau in diesem Unterschied "liegt der Hund begraben", warum der Fraktal-Hype abgeklungen ist. Wir haben die Erkenntnis, wissen aber nicht mit ihr umzugehen. Schade.

@Hannes:
Vielen Dank für den Buchtipp zu Dynamic Evolution. Ich werde es lesen. Das Inhaltsverzeichnis entspricht auf jedem Fall meinem Geschmack.

1Alexander und wl01:
Die häßliche Frage des In-/Outputs des abgesteckten Systems können wir mal außer acht lassen, weil wir damit anfangen uns im Kreis zu drehen. Selbst wenn Grenzen rational gesetzt werden, sind sie doch willkürlich.
Ich denke nicht, dass das keine Relevanz hat. Es erhebt sich m.A. sehr wohl die Frage ob auch Fehler einen Input für neue Entwicklungen bringen.
und Rico:
(Wo sitzt das Herz = Impuls?)
Das Stichwort hierbei ist Bifurkation. Die Aufgabe in jedem Wissenschaftsbereich, einschließlich der Naturwissenschaften, lautet: Stecke die Grenzen eines Systems ab und finde den einen, ausschlaggebenden, das System am stärksten beeinflussenden Parameter/Faktor! Und wer will, der kann daran noch zusätzlich die Bifurkation der Natur und Prozessphilosophie anknüpfen.

Grüße, Darius

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Darius

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Re: "Totgesagte leben länger" - MOND-Theorie doch brauchbar?

von Darius am 06.03.2015 23:00

[...] als Alternative für die "Dunkle Materie" herhalten könnte. [...] dass Gravitation abhängig von der Entfernung des Massenschwerpunkt anders wirkt, also nicht dem 1/r²-Prinzip entspricht.

Richtig! Das ist das Hauptpostulat der MOND.

In dem zitierten Artikel geht es jedoch um die "Dunkle Energie" [...]

... in Kombination mit modifizierter Gravitation.

astronews.com schrieb:
Die Planck-Forscher haben mit den neuesten Daten des Satelliten nun verschiedene Theorien auf den Prüfstand gestellt, die die Dunkle Energie einbeziehen und von einer modifizierten Gravitation ausgehen  [...]

Der Kern des Witzes ist die hervorgehobene Kombination. Kurzrum gesagt: Dunkle Energie + Einstein = Kosmologisches Standardmodell falsch, weil "einige Abweichungen" bei Beobachtungen. Oder: Dunkle Energie + MOND = Einstein falsch.

[...] und damit von der Gravitationstheorie, wie sie in Albert Einsteins Relativitätstheorie formuliert ist, abweichen.

Ich mache jetzt einen auf "chief" aus mahag.com (diejenigen die ihn kennen, werden bescheid wissen) und gebe darauf sogar volle fünf Lacher!


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Darius

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Re: Evolution

von Darius am 06.03.2015 21:38

@1Alexander:

Das führt natürlich unmittelbar zu der Frage ob eine Evolution überhaupt stattfindet.

Das ist eine sehr gute Frage, 1Alexander. Man kann sie erweitern und nach der Ebene fragen, auf der die Selektion verstärkt zum Tragen kommt. Erfolgt sie auf der Ebene der Phänotypen, was als allgemein anerkannt gilt, oder mehrere Stockwerke tiefer, und zwar arten- und gattungsübergreifend wie es Richard Dawkins in seiner Idee eines egoistischen Gens meint. Er verwischt elegant die Grenzen zwischen der Pilz-, Pflanzen und der Tierwelt.

Bei einem fraktalen Ansatz kann man einen strengen evolutionären Prozess dagegen verneinen. Eine Ausdifferenzierung im Rahmen von Selbstähnlichkeit ist keine Evolution.

Vielleicht habe ich paar Posts vorher ein Stück zu weit ausgeholt, indem ich von Attraktoren und Fraktalen in einem nicht näher definierten Zusammenhang schrieb. Im Wesentlichem ging es mir um nichtlineare Dynamik, die Attraktoren hervorbringt. Fraktale Mathematik fungiert dabei als Mittel, um diese Dynamik zu beschreiben. Und abgesehen davon: Bei den Fraktalen geht es nicht nur um die Selbstähnlichkeit. Das Thema ist viel komplexer. Das von mir erwähnte Buch erläutert dies sehr gut.

[...] gegen die fraktalistischen Zeitleugner.

Faktor Zeit ist in der "fraktalistischen"  Sichtweise fundamental. Ohne die Zeit, oder besser gesagt: Ohne eine Abfolge von Iterationen, entsteht kein Attraktor. Auf die Evolution übertragen markiert die Geburt den Anfang eines einzelnen Iterationsdurchlaufs, das Sterben sein Ende. Dabei geht es nicht nur um das Entstehen und Vergehen eines Individuums, es gilt auch für Gruppen.

Ein Vorschlag wäre, dass eine Ausdifferenzierung zweckfrei und in sich und auf jeder Stufe perfekt ist, wärend eine Evolution vom Niederen zu Höhreren verläuft. Anders ausgedrückt, Evolution bedarf eines Startpunktes und eine fiktiven Endzustandes.

Darüber muss ich noch nachdenken.

Gruß und gute Nacht!

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Darius

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Re: "Totgesagte leben länger" - MOND-Theorie doch brauchbar?

von Darius am 06.03.2015 21:26

Ich musste gerade köstlichst lachen! astronews.com schrieb am 5.03.2015 in "Einsteins Gravitationstheorie auf die Probe gestellt":

Kombiniert man die von Planck gelieferten Daten jedoch mit anderen astronomischen Beobachtungen, so ergeben sich einige Abweichungen.

Klingt harmlos, bedeutet aber: "Shit! Das passt ja überhaupt nicht!" Warum musste ich lachen? Na weil aktuell versucht wird die einstmals heftig kritisierte und teilweise sehr verteufelte Modifizierte Newtonsche Dynamik (MOND-Theorie) als mögliche Erklärung für die Inkonsistenzen zwischen dem Kosmologischen Standardmodell und den Beobachtungen heranzuziehen. Ich kann nur sagen: Weitermachen! Die Pointe bei diesem Witz wird bestimmt noch vergnüglicher sein, als die Kombination der an diesem Scherz beteiligten Akteure ohnehin jetzt schon ist: Dunkle Energie trifft die MOND.


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Darius

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Re: Evolution

von Darius am 06.03.2015 15:37

@1Alexander:

Die Schwierigkeit dabei ist, die Grenzen eines Systems zu definieren.
Sehe ich anders. Reine Geschmackssache. Wenn man allerdings ein absolute Grenze festlegen will, ist man sowieso auf dem Holzweg.

Selbstverständlich gibt es in der Welt außerhalb unserer Köpfe keine scharfen, absoluten Grenzen. Wissenschaftliches Arbeiten erfordert aber eine idealisierte Grenzziehung. Zuerst muss eine Definition des Gültigkeitsbereichs einer Theorie her. Das ist die erste Grenze, die unbedingt zu ziehen ist und sie hat mit Geschmack nichts gemein. Die zweite Grenze ist die der Durchführbarkeit von den auf eine Idee bezogenen Experimenten. Hier ist durchaus Objektivität am Gange. Es gibt reichlich guter Ideen mit gut abgesteckten Gültigkeitsbereichen, die aber nicht überprüfbar sind. Evolution, Strings, Morphische Felder, etc. gehören dazu.

Aber das ist er ein philosophisches Problem, allenfalls eine semantisches. Insofern ist es durchaus zulässig mit dem Begriff Intelligenz nach belieben umzugehen.

In der Philosophie liegt der Keim der Naturwissenschaft. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum doch so viele dazwischen so scharf trennen wollen/wollten.

@wl01:
Also dem kann ich nicht ganz folgen, denn wenn eine Population vollständig lebensunfähig wird, dann stirbt sie einfach aus und kann keine Nachkommen zeugen!

Du hast ein kurzes Wort übersehen. Ich habe "fast vollständig lebensunfähig wird" geschrieben .

Ich sehe auch keine personifizierte Intelligenz hinter dem ganzen, sehr wohl aber eine Art Schwarmintelligenz.

Correcto mundo! Es ist eine Emergenz, halt ein Attraktor.

Grüßend, Darius

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